Gefahrguttransporte – was muss ich wissen?

Gefahrguttransporte

Gefahrguttransporte sind täglich auf unseren Straßen unterwegs. Sie werden nach entsprechenden Richtlinien besonders gekennzeichnet, und müssen extra festgelegte Bedingungen erfüllen. Dies dienst zum Schutz der anderen Verkehrsteilnehmer und nicht zuletzt des Fahrers des Transports.

Außerdem besteht eine Kennzeichnungspflicht. Wer weiß, was die Kennzahlen zu bedeuten haben, kann an ihnen die Art des Gefahrguts ablesen. Die meisten Verkehrsteilnehmer sind dazu verständlicherweise nicht in der Lage, da sie nur den Gefahrguttransport als solchen erkennen.

Die Gefahrstoffverordnung

Grundlage aller Regelungen ist die sogenannte Gefahrstoffverordnung. Diese legt fest, welche Stoffe als gefährlich eingestuft werden. Auch die Schutzmaßnahmen, welche beim Umgang damit an den Tag gelegt werden müssen, sind explizit festgelegt. Dies gilt auch für die Lagerung der Güter.

Der Unterschied zum Gefahrgut

Zum Gefahrgut wird der Gefahrstoff erst, wenn er transportiert wird. Wobei ein als Gefahrstoff eingeordnetes Material nicht zwangsläufig beim Transport ein Gefahrgut ist. Denn hier gelten andere Regeln, und zwar Nationale wie Internationale.

So wird Gefahrgut klassifiziert

Derzeit gibt es in Deutschland neun geltende Gefahrgutklassen. Einige davon bestehen noch einmal aus mehreren Untergruppierungen.

Entsprechende Transportbehälter und Fahrzeuge müssen die Klassifizierung so deklarieren, dass diese von außen und weithin sichtbar zu erkennen ist. Zudem bedient man sich spezieller Symbole, damit auch Laien eine grobe Beurteilung vornehmen können.

Die Gefahrgutklassen

Die Gefahrgutklassen, die durch das ADR eingeteilt wurden, sind also allgemeingültig. Sie sind wie folgt eingeteilt:

  1. Explosive Materialien – dazu zählen Munition oder auch Feuerwerkskörper
  2. Gase – wie Butan oder auch Propan
  3. Flüssigkeiten, die entzündbar sind – wie Benzin oder Heizöl
  4. Feststoffe, die entzündbar sind – Zündhölzer, weißer Phosphor
  5. Oxidierende Stoffe oder solche, die ähnlich wirken – das sind beispielsweise Sauerstoff oder auch bestimmte Düngemittel
  6. Giftige oder ansteckungsgefährliche Stoffe – so zum Beispiel medizinische Proben
  7. Radioaktive Materialien – wie Plutonium
  8. Ätzende Stoffe – beispielsweise Salz- oder Schwefelsäure
  9. Sonstige gefährliche Stoffe, wie Asbest oder Trockeneis

Das ADR

Unter ADR versteht man das „Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“ (aus dem Jahr 1957). Darin enthalten sind Bestimmungen über Ladungssicherheit, Verpackung und Kennzeichnung von Gefahrgütern. Dem Abkommen angeschlossen sind außer den europäischen Ländern auch Albanien und Andorra, Aserbaidschan, Island, Malta, Marokko, Nigeria, San Marino und Zypern.

Die Regelungen des ADR betreffen die Kennzeichnung der Güter, deren Einstufung und die Bau-und Prüfvorschriften der Behälter. Unter anderem wird ein Gefahrgutführerschein von den Fahrern verlangt, und von den betroffenen Transportunternehmen die Anstellung eines Gefahrgutbeauftragten. Die besondere Fahrerlaubnis heißt „ADR-Schulungsbescheinigung“ (Anbieter für ADR-Kurse finden Sie hier) wird nur für fünf Jahre ausgestellt. Danach muss sie erneut erworben werden. Darüber hinaus gibt es ständig weitergehende Schulungen.

Auch an die Fahrzeuge an sich werden besondere Bedingungen geknüpft. So müssen diese eine spezielle ADR-Zulassung vorweisen. Zudem muss eine entsprechend des Gutes festgelegte Schutzausrüstung mitgeführt werden. Neben der Kennzeichnung von Fahrzeug und Versandartikeln wird die Vorlage bestimmter Transportpapiere verlangt.

Die kursiv markierten Klassen sind nochmals in Unterklassen unterteilt. Gase beispielsweise sind in entzündliche und nichtentzündliche Gase eingeteilt sowie solche, die giftig sind.

Wann sind also Gefahrguttransporte nötig?

Gefahrguttransporte sind nicht als solche kennzeichnungspflichtig, wenn es sich um geringe Mengen handelt. So werden große Mengen mit gekennzeichneten LKWs transportiert, aber kleine Weitertransporte häufig nicht. Ein gutes Bespiel ist hierfür ein Kunde von uns aus der Baubranche, in der einige Gefahrenstoffe benötigt werden. Baubetriebe transportieren häufig solche geringen Mengen, dass sie diese nicht kennzeichnen müssen.

Entsprechend einer speziellen Berechnung und gewisser Tabelleneinträge kann einfach ermittelt werden, wobei welche Höchstgrenzen gelten.

Die Kennzeichnung als ADR-Transport ist übrigens nicht nur für Straßenfahrzeuge verpflichtend, sondern entsprechend auch bei der Bahn und der Binnenschifffahrt.

Gefahrgut in Fässer eingelagert

Die Bezettelung

Die sogenannte Bezettelung, also die Kennzeichnung der Güter, unterscheidet sich nach der Art des Behältnisses. So muss dieses Kennzeichen an einem Container anders aussehen als an einem Karton. Die Warntafeln sind in der Regel orange und tragen eine Aufschrift aus Symbolen und Ziffern. Bei einer zeitweiligen Bezettelung sind diese häufig aus Pappe gefertigt oder in Form eines Aufklebers vorzufinden. Jedoch fest an einem LKW angebracht, sind diese Hinweistafeln aus Blech und fest installiert. Diese müssen eine Größe von 30 x 40 cm aufweisen und eine rückstrahlende Oberfläche, damit sie auch bei Dunkelheit gut erkennbar sind.

Die Oberfläche ist so gestaltet, dass die schwarzen Zahlen und Kennzeichnungen auf orangenem Grund auch nach einer Branddauer von 15 Minuten noch lesbar sind.

Die Warntafeln können mit zwei übereinanderstehenden Codes versehen sein. Bei der oberen Zahl handelt es sich um eine Gefahrnummer. Ist dieser ein „X“ vorangestellt, reagiert das transportierte Gut gefährlich auf Wasser. Die untere Nummer steht für den beförderten Stoff. Beispiel: 1203 bedeutet Heizöl oder Dieselkraftstoff.

Der Gefahrgutbeauftragte

Der Gefahrgutbeauftragte ist ein Sicherheitsberater, der entsprechend der Festlegungen der ADR für ein entsprechendes Transportunternehmen tätig sein muss.

Er überwacht die Einhaltung sämtlicher Vorschriften und muss Maßnahmen veranlassen, die dazu dienen, die Weisungen des Gesetzes umzusetzen. Allerdings gilt er als Berater und hat keine Weisungsbefugnis im Unternehmen. Er trägt die Verantwortung für die Überwachung und muss über diese Buch führen. Weiterhin fertigt er einen Jahresbericht an und muss den Überwachungsbehörden zur Verfügung stehen.

Ein Gefahrgutbeauftragter muss nicht gestellt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden, wie zum Beispiel die Beförderung in begrenzten Mengen oder dass das Unternehmen nur als Entlader tätig ist, und dies die Menge von 50 Tonnen netto im Jahr nicht überschreitet.

Unfälle bei Gefahrguttransporten

Diese Kennzeichnung dient nicht nur anderen Kraftfahrern zur Information, sondern auch Rettungskräften, wenn sie an einen Unfallort gerufen werden. Denn der Gefahrgutunfall ist nicht nur für die beteiligten Personen vor Ort, sondern auch für die Rettungskräfte eine erhöhte Gefahr.

Eine Besonderheit ist zu nennen: die übliche Erste Hilfe bei einem Unfall kann bei einem Unglück mit einem Gefahrguttransporter genau die falsche Entscheidung sein. In diesem Fall greift also besonders die Regel: der Ersthelfer muss sich nicht selbst in gesundheitliche Gefahr bringen. Deshalb ist die Erste Hilfe in diesem Fall die Alarmierung der Rettungskräfte.

Bei der Bergung eines solchen Transporters werden spezielle Einsatzkräfte angefordert, die mit entsprechenden Schutzausrüstungen und Know-how antreten. Sie besitzen unter anderem neutralisierende Mittel, um die Gefahrenstoffe zu neutralisieren. Feuerwehr und THW arbeiten hier meist eng zusammen.

Glücklicherweise, so sagt die Statistik, sind solche Unfälle auf den Straßen Deutschlands eine seltene Ausnahme. Nur bei 0,4% der Unglücke an denen LKWs beteiligt sind, sind Gefahrguttransporter involviert. Dabei stehen die Gefahren für Menschen natürlich an erster Stelle, die es zu verhindern gilt, andererseits sind es auch Umweltgefahren, die solche Unfälle mit sich bringen.